Madeira – das bessere Hawaii

Geologisch befindet man sich in Afrika, die Natur erinnert an Hawaii, und doch ist man keine 4 Flugstunden von München entfernt. Madeira ist in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Reiseziel. Unser Freund Timm war mit seiner Frau Marion eine Woche zu zweit auf der Atlantikinsel und kam mit einmaligen Eindrücken zurück.

Madeira – das bessere Hawaii

Vorab die wichtigsten Fakten für alle, denen die Zeit zur Wikipedia-Parallellektüre fehlt. Madeira gehört zu Portugal, liegt jedoch knapp 1.000 km südwestlich vor dessen Küste im Atlantik. Afrika ist nur halb so weit entfernt – wobei man interessanterweise kaum kulturelle afrikanische Einflüsse findet. Die Fläche entspricht etwa einem Fünftel von Mallorca, dafür ist Madeira deutlich gebirgiger: 1.862 m hoch ragt der Pico Ruivo empor – vulkanischen Ursprungs, wie die ganze Insel. Natürlich waren wir oben am Gipfel, dazu später mehr…

Madeira, früher vor allem bekannt als Insel des ewigen Frühlings oder als Blumeninsel, schmückt sich seit ein paar Jahren zudem mit dem zweifelhaften Titel, Heimat von Cristiano Ronaldo zu sein. Der Fußballer hat sogar ein eigenes Museum mit einer bemerkenswert misslungenen Skulptur davor gewidmet bekommen. Es liegt allerdings angenehmerweise so weit entfernt vom Zentrum der Hauptstadt Funchal, dass es sich bequem ignorieren lässt.

Funchal – der perfekte Ausgangspunkt zum Erkunden der Insel

So oder so ist Funchal der perfekte Ausgangspunkt für einen Madeira-Urlaub. Fast die Hälfte der 250.000 Madeirenser leben hier, wer also etwas urbanes Flair sucht, sollte unbedingt kurz in der Innenstadt absteigen. Schöne Hotels sind allerdings rar – eine Ausnahme ist das „The Vine Hotel“ für Designfans mit sehr gut gefüllter Urlaubskasse. Dafür gibt es viele Apartments und B&Bs. Wir waren sehr zental in den liebevoll renovierten Apartamentos Praça Amarela untergebracht.

Für Funchals Highlights wie den tropischen Botanischen Garten („Jardim Botanico“, mit den zutraulichsten Geckos, die wir je gesehen haben), die Seilbahnfahrt dorthin oder die bunte Ansammlung von Tapas-Bars und Restaurants auf der Straße „Santa Maria“ sollte man zwei Tage einplanen. Zeit genug, um auch lokalen Spezialitäten wie Schwarzen Degenfisch mit Bananen-Topping oder Napfschnecken zu kosten. Ganz besonders gut haben wir downtown im „Kampo“ gegessen, wo man bei Chefkoch Julio Pereira direkt an der Theke mit Blick in die Küche sitzt. Lasst Euch von ihm unbedingt erklären, wie er das eigene Brot backt, wo er seinen Oktopus kauft und worin die Besonderheit seiner heißen Schokokuchen besteht.

Wer es touristisch mag, erwirbt in der Markthalle von Funchal noch ein paar Zitronen-, Orangen- oder Tomaten-Maracujas – der überteuerte Preis ist übrigens besser verkraftbar, wenn man fest daran glaubt, dass sie wirklich auf der Insel wachsen würden. So viel vorab – Spoiler – wir haben keine einzige Maracujapflanze gesehen…

Wirklich eindrucksvoll wird der Madeira-Urlaub jedoch erst, wenn man Funchal verlässt. Ohne Mietauto geht jetzt nichts mehr. Allerdings reicht ein normal motorisierter Kleinwagen – der Hinweis, dass man nur mit Allrad die Berge empor komme, ist nicht mehr als eine viel zitierte Upselling-Masche der Mietwagen-Verleiher.

Unser Tipp: Sucht Euch eine Unterkunft an der Südküste. Die Vegetation im Norden ist üppiger und steht der Opulenz von Maui in nichts nach. Dafür hat man es im Süden viel sonniger – und dank des exzellenten Straßen- und Tunnelnetzes ist man für Ausflüge sehr schnell im Norden. Wir haben uns, aufgrund der zentralen Lage, für eine Unterkunft in Ribeira Brava entschieden. Ähnlich gut gelegen sind Ponta de Sol und Camara de Lobos. Großes Glück hatten wir mit der Wahl unserer Unterkunft: Das balinesisch angehauchte B&B Dazkarizeh 73 bietet fünf Apartments samt Pool in einem tropischen Garten mit sensationeller Atlantik-Sundowner-Garantie.

Wer wandern will, erreicht die schönsten Ziele von hier aus alle innerhalb einer Stunde. Wir haben gefühlt die ganze Insel erlaufen, hier unsere Top 3:

Gipfeltour auf das Dach der Insel, den Pico Ruivo

Man kommt mit dem Auto bis auf 1.600 m hoch, insofern sind die letzten 260 Höhenmeter über ausgetretene Pfade leicht zu meistern. Unter uns die Wolken, um uns herum zerklüftete Felsen und – jetzt im Frühjahr – blühender Ginster, über uns wolkenloser Himmel. Traumhaft! Wer es sportlich mag, kraxelt zwei Stunden lang rüber zum Pico Arieiro. Aber nicht zu knapp kalkulieren: Man darf danach die gleiche Route wieder zurück! Wir hatten übrigens mehrere Wander-Reiseführer dabei: Der beste, weil genaueste, war „MM-Wandern“ aus dem Michael Müller Verlag.

Durch den Nebelwald im Fanal

Am Nordrand der Hochebene Paul da Serra wachsen die ältesten Lorbeerwälder der Insel. Am mystischsten ist die Tour, wenn dichte Nebelschwaden zwischen den teilweise mehrere hundert Jahre alten, mit Moos und Flechten behangenen Baumriesen umher ziehen. Keine Sorge: In der Regel kommt die Sonne raus, wenn man Richtung Inselmitte wandert. Ohne Jacke und lange Hose sollte man hier aber nicht antreten. Der größte Vorteil der Tour: Sie ist weit weniger überlaufen als die überall empfohlene Wanderung im Rabaçal.

Küstenwanderung bei Boaventura

Spätestens bei dem kurzen Spaziergang (in Summe 4 km hin und zurück) versteht man, wieso Madeira oft „Hawaii Europas“ heißt. Es werden Erinnerungen wach an den Na-Pali-Coast-Trail auf der Hawaii-Insel Kaua’i. Die Klippen ragen steil aus dem Atlantik empor, in jeder Felsnische wachsen exotische Blumen, Eukalyptus-Wälder überziehen die Ebenen. Wer genau hinschaut, entdeckt viele wilde Pflanzen, die daheim in unseren Wohnungen stehen – Akazien, Strelitzien, Weihnachtssterne (!), Orchideen. Und wenn man Naturpracht, Preis und Erreichbarkeit zusammenzählt, dann ist Madeira definitiv das bessere Hawaii…

Was fehlt nun zum perfekten Urlaub? Wo bleibt der Strand? In der Tat ist das – wenn man so will – das einzige Manko von Madeira: Echte Sandstrände, die ihren Namen verdient haben, gibt es nur zwei. Daher sind diese an Wochenenden und in Ferienzeiten auch komplett überlaufen. Schwimmen kann man vielerorts, einmalig schön in den natürlichen Gumpen von Porto Moniz an der Nordküste. Darüber hinaus gibt es schmale Kiesstrände und Piere, die an den vielen felsigen Abschnitten den Weg in den Atlantik weisen. Das alles ändert jedoch nichts daran, dass Madeira keine Badeinsel ist. Und vielleicht ist das auch gut so, denn sonst würden nur noch mehr Touristen das Naturparadies für sich entdecken…

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