Rügen mit Kindern – Reisebericht und geheime Insidertipps

Dieses Jahr verschlug es uns mit unseren Kindern an die Ostsee und zwar nach Rügen, Deutschlands größte Insel. Herrliche Buchen-, Birken- und Kiefernwälder und lange weiße Sandstrände erwarteten uns. Außerdem begleitete uns mediterranes Sommerwetter, sodass wir uns keine Minute lang im Urlaub beklagen konnten. Auch gab es auf der Insel so viel zu sehen und zu entdecken, dass wir überwältigt waren:  prachtvolle Seebäder mit Strandvillen, schmucke Reetdachhäuser, eindrucksvolle Kreidefelsen, Bernsteine und Feuersteine und viel Zeitgeschichte.

Rügen mit Kindern – Reisebericht und Tipps

Allgemeines

Landschaft

Die Insel Rügen ist eine Boddenlandschaft, die einige seltene Lebewesen wie den Seeadler oder die Zauneidechse beherbergt. Bekannt ist die Insel auch für seine Kreideküste, die aus Meeresablagerungen aus der Kreidezeit besteht. Wusstet Ihr, dass die berühmten Kreidefelsen eigentlich zerriebene Kalkschalen von Meerestieren sind. Auch gibt es hier zahlreiche Feuersteine oder Bernsteine aus der Eiszeit, die einfach so am Strand liegen. Ihr seht also, in unserem Urlaub hatten wir also viel zu entdecken. Aus diesem Grund kauften wir uns das Buch „Mein Ostseebuch“, um mehr über Bern-, Feuersteine und die Küstenlandschaft zu erfahren.

Besonderheiten

Rügen ist bekannt für seine zahlreichen Bernsteinvorkommen und seine Feuersteinfelder. Bernsteine werden vor allem im Frühling, Herbst und Winter an stürmischen Tagen an den Strand gespült und sind versteinertes Harz. Da sie leichter als Steine sind, hängen sie meistens in Seealgen zusammen mit Treibholz und Muscheln. Feuersteine haben wir eigentlich überall auf Rügen gefunden. Besonders schöne wie die bekannten Hühnergötter, die flach sind und ein Loch in der Mitte haben, sind sehr oft am Strand zu finden. Ganz berühmt ist auch die Rügener Kreide, auch das weiße Inselgold genannt. Es hat sich in den letzten 60 Millionen Jahren aus Muscheln entwickelt und wird gegen rheumatische Beschwerden eingesetzt. Auch sehr besonders ist der Sanddorn, der besonders gerne auf sandigen Böden wächst und aus dem auf Rügen zahlreiche Produkte wie Sanddornsaft oder Marmelade hergestellt werden.

Übernachten

Wir wohnten in Binz. Der Ort schien uns ein guter Ausgangspunkt vieler Unternehmungen zu sein, da er gewissermaßen in der „Mitte der Insel“ lag. Zudem war oder ist Binz durch sein stilvolles Seebad und seinen schönen Strand bekannt – ideal also um nach einem Ausflugsprogramm noch schön am Strand in einem Strandkorb zu liegen und zu baden.

Sehenswürdigkeiten

Was Ihr vorab wissen solltet: bei den meisten Sehenswürdigkeiten auf der Insel Rügen könnt Ihr nicht direkt mit dem Auto vorfahren. Es gibt zwar immer einen Pendelverkehr wie Shuttlebusse oder Pferdekutschen, aber natürlich muss man auf ihn warten. Deshalb stellt Euch darauf ein, dass Ihr viel zu Fuß machen müsst. Auch ist die Insel ziemlich groß und Ihr benötigt oft sehr lange Fahrtzeiten, um von Süden ganz in den Norden zu fahren. Die Insel gliedert sich in die Halbinsel Jasmund und Wittow mit der Kreideküste und den Buchenwäldern, die Bäderküste mit Binz und Sellin sowie in das Bodden- und Binnenland.

Wind & Wetter

Es ist eigentlich meistens windig! Von daher solltet Ihr Euch eine Strandmuschel bzw. einen Strandzaun kaufen oder einen Strandkorb mieten.

Anreise

Wir reisten direkt mit dem ICE von München aus an. Der ICE fährt täglich ab 8 Uhr in München ab und kommt um ca. 18 Uhr in Binz auf Rügen an. Vor Ort benötigt man aber einen Mietwagen. Alternativ könnt Ihr natürlich mit dem Auto anreisen. Sehr komfortabel ist Rügen vom Festland aus über eine Brücke erreichbar.

Reisebericht & Tipps für Rügen mit Kindern

Ganze acht Tage verweilten wir auf der Insel Rügen und genossen jede einzelne Minute – entweder auf unserem straffen Ausflugsprogramm, am Strand, im Spa oder auf der Restaurantterrasse des Grand Hotel Binz.

Das mondäne Seebad Binz – Strandvillen und prachtvolle Bauten

1875 machte Fürst Wilhelm Malte zu Putbus Binz zum mondänsten Seebad auf Rügen. Da wir in Binz wohnten, bummelten wir gleich am ersten Urlaubstag vorbei an liebevoll restaurierten verschnörkelten, edlen Strandvillen aus dem letzten Jahrhundert mit Türmchen und Erkern sowie dem mondänen Kurhaus und holten uns ein Fischbrötchen bei der Fischerei Kuse. Besonders beliebt in der ganzen Familie war das Matjessalat-Brötchen. Ein sehr markanter Bau ist das berühmte „UFO“ beim Grand Hotel Binz, ein Müther-Bau, der heutzutage als Standesamt dient. Müther war ein bekannter Bauingenieur aus Binz.

Unermüdlich hatten unsere Kinder nach Bernsteinen gesucht und leider keine gefunden. Finnbar Corrigan, dem der Bernsteinfischer von Binz gehört, hatte uns leider zu spät verraten, dass Bernsteine erst durch starke Winde im Herbst, Winter und Frühjahr an den Strand angeschwemmt werden. Umso schöner war es, in dem Geschäft „Der Bernsteinfischer“ herumzustöbern und neben Bernsteinschmuck auch Accessoires aus Schwemmholz anzuschauen. Wir kauften letztendlich ein Bernstein-Armbändchen und einen Herz-Anhänger und bekamen rohe Bernsteine geschenkt!

In Binz gibt es für Familien übrigens ein vielfältiges und kostenloses Programm, das vom lokalen Tourismus-Büro Binzer Bucht organisiert wird: Rangerführungen für Kinder, Theateraufführungen oder eine Familien-Stadtführung.

Baumwipfelpfad – 82 m hoch hinauf zum Sonnenuntergang oder zum Sternenhimmel

Mit der Natur eins sein! So fühlten wir uns, als wir zur Sonnenuntergangwanderung auf dem Baumwipfelpfad den Turm erreichten und einen wunderbaren Blick über die Insel und die untergehende Sonne hatten. Wir hangelten uns über Wackelbrücken und ließen uns nebenbei auf Schautafeln über auf Rügen heimische Baumarten aufklären. Als wir uns nach oben „schraubten“, begutachteten wir in Schaukästen heimische Vogelnester mit Eiern. Oben angekommen genossen wir einen fantastischen Blick über die Insel. Lange noch folgten wir der Sonne, bis sie am Horizont verschwand. Hätten wir noch mehr Muße gehabt, hätten wir gerne an der Sternschnuppen-Führung teilgenommen, die vom Naturerbezentrum angeboten wird. Hier erhaltet Ihr sämtliche Informationen zum Baumwipfelpfad, dem Naturerbezentrum und den Führungen.

Mit dem Rasenden Roland nach Sellin zur berühmten Seebrücke

Absolut sehenswert war oder ist Sellin mit seiner eindrucksvollen Seebrücke. Vor allem die Sicht auf die Seebrücke aus der Vogelperspektive lässt sie in einer ganz besonderen Form erscheinen. Sie ist so schön, dass sie nach der Wiedervereinigung wieder aufgebaut wurde, nachdem sie 1940 durch Eismassen zerstört wurde. Wir nahmen von Binz den Rasenden Roland nach Sellin, eine Dampflok-Bahn, die die Einheimischen seit 1895 nutzen, um sich auf der Insel fortzubewegen ohne im Stau zu stehen. In der Hochsaison ist sie vor allem ein Touristenmagnet. Durch Buchenwälder fuhren wir mit der ächzenden Dampflok, die eine enorme Dampfspur hinterließ nach Sellin. Von dort spazierten wir zu Fuß ganze 1,4 km zur Seebrücke vorbei an beeindruckenden Strandvillen. Schließlich gelangten wir an die Seebrücke. Zurück ging es dann mit den Adler-Schiffen nach Binz.

Ab in die Feuersteinfelder!

Ehrlich gesagt waren wir etwas enttäuscht von den Feuersteinfeldern. Nach einem ziemlich langen Marsch von zwei Kilometern vom Parkplatz Mukran-Süd, kamen wir zu den Feuersteinfeldern, die ungefähr 25 m lang und drei Meter unter der Erde hochgeschichtet waren. Vor rund 4000 Jahren wurde dort ein Meer von Feuersteinen angeschwemmt. Wir fanden die Felder nicht spektakulär, aber für echte Feuersteinkenner wahrscheinlich ein Muss! Wir haben festgestellt, dass uns während unseres Urlaubs noch sehr viel andere Feuersteine an den Steilküsten begegneten, die sehr viel schöner waren.

Königsstuhl – UNESCO-Weltnaturerbe & Naturpark Jasmund

Weltbekannt ist der Nationalpark Jasmund für seine Buchenwälder und den Königsstuhl, den wohl imposantesten Kreidefelsen. Nach langem Hin und Her entschieden wir uns, den kürzesten Weg zum Königsstuhl zu nehmen. Wir parkten unser Auto auf dem Großparkplatz Hagen und wanderten ungefähr eine Stunde entlang an Mooren und Teichen durch die Stubbenkammer zur Victoria-Aussicht, von der man einen schönen Blick auf den Königsstuhl hat. Wir verzichteten darauf, eine Eintrittskarte für die Besichtigungsplattform des Königsstuhls zu lösen, da uns die Victoria-Aussicht schon genügte und sie umsonst war. Im Nationalpark-Zentrum Königstuhl gab es ein Multivisionskino zu den berühmten Buchenwäldern des Nationalparks Jasmund. Die Erlebnisausstellung zeigt eine Zeitreise durch den Nationalpark von der Entstehung der Kreide und der Buchenwälder. Zurück fuhren wir bequem mit dem Shuttlebus.

Sehr eindrucksvoll ist der Königsstuhl und die Kreideküste auch vom Uferweg aus. Entweder startet Ihr in Sassnitz oder in Lohme in Richtung Königsstuhl. Wir entschieden uns für eine Wanderung von Lohme aus. Ab und zusprangen die Kinder an den Strand und suchten nach Donnerkeilen und Hühnergöttern – und wir wurden endlich fündig mit einem Hühnergott! 

Wenn Ihr noch interessiert seid, mehr über den Kreideabbau auf Rügen zu erfahren, dann besucht in jedem Falle in Gummanz das Kreidemuseum.

Prora –  eine Ferienanlage aus der Nazi-Zeit

Rügen und seine Geschichte! Nicht nur für Fürsten war Rügen attraktiv, sondern auch für die Nazis. Sie planten auf Rügen das nie fertiggestellte Seebad „KdF = Kraft durch Freude“, das heute Prora genannt wird und ein Dokumentationszentrum und die Kulturkunststatt besitzt. Wir waren uns nicht sicher, ob es den Kindern gefallen würden und waren erstaunt, dass sie Beschwerde-los den Tafeln im Dokumentationszentrum lasen und sich in den Kinosaal setzten, wo über den Bau des Seebads berichtet wird. Da die Anlage über sechs Kilometer lang ist, wären geliehene Fahrräder die beste Option gewesen, um das komplette Seebad zu besichtigen. Daher umrundeten wir nur zu Fuß die Gebäude beim Dokumentationszentrum. Heutzutage ist der erste Block schon zu Luxusapartments umgebaut worden, die anderen Blöcke folgen sicher bald. 

Schaabe – schönster Strand von Rügen

Kurz stoppten wir in Schaabe, dem schönsten langen Sandstrand von Rügen. Geparkt hatten wir auf ausgewiesenen Parkplätzen. Von dort durchwanderten wir den duftenden Kiefernwald, um dann vor dem grandiosen Bilderbuch-reifen „Malediven-Strand“ zu stehen. Würde nicht immer so ein starker Wind wehen, wäre man der Südsee sicher nicht so fern. Übrigens: Imbissbuden, Strandkörbe oder Badewächter gibt es hier nicht!

Jagdschloss Granitz – fürstlich und Oho!

Heute sollte unser Ausflugsziel das Jagdschloss von Granitz sein! Wir entschieden uns, gemütlich zum Jagdschloss Granitz zu wandern, dem Schloss in der Granitz, wo Wilhelm Malte I mit seinen Freunden jagen ging. Wir parkten unser Auto auf dem Parkplatz des Schlosses und liefen ungefähr zwei Kilometer durch den schönen Wald hoch zum Schloss. Die Stimmung war sehr schön und wir konnten uns gut vorstellen, wie die Herrschaften in früheren Zeiten zu Pferde nach Dammwild jagte. Das Jagdschloss war sehr schön renoviert, wenn auch wenig von dem damaligen Mobiliar erhalten geblieben ist. Wenn Ihr etwas lauffaul seid, könnt Ihr auch den Jagdschlossexpress ab der Binzer Strandpromenade nehmen oder mit dem Rasenden Roland zur Station „Jagdschloss Granitz“ fahren. Von dort ist es ein Kilometer bis zum Schloss.

Kap Arkona & schmuckes Fischerdörfchen Vitt

Gleich nach dem Frühstück unternahmen wir einen Ausflug zum Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt Rügens und zum Fischerdörfchen Vitt. Nachdem wir unser Auto auf dem großen Besucherparkplatz in Putgarten geparkt hatten, schlenderten wir entlang von schönen Feldern nach Vitt. Das Dörfchen war unheimlich süß und erinnerte uns an ein Schlumpfdorf : 13 kleine, süße, teils Reetdach-gedeckte Häuschen, Fischer mit Gastgärtchen und eine Kapelle, in der Fischerfrauen für ihre Männer im Sturm gebetet hatten. Schließlich spazierten wir den Hochuferweg zum Kap Arkona und stiegen ca. 50 Meter vor dem Kap die Königstreppe mit 100 Stufen runter an die Steilküste. Hier waren wir dem Kap ganz nah und machten wunderschöne Fotos. Danach stiegen wir wieder hoch und kamen schließlich zur Jaromarsburg. Hier hatte in der Vergangenheit ein Burgwall und ein Tempel der Slawen gestanden, der leider von den Dänen komplett zerstört wurde. Bekannt ist das Kap Arkona auch durch seine drei Türme, der Leuchtturm, der Schinkelturm und der Peilturm, die Ihr alle besteigen könnt.

Loth Lorien – auf einem Dreimaster in die Ostsee

An der Seebrücke von Binz hatte während unseres Aufenthalts der Dreimaster Loth Lorien angelegt. Ein Segelschiff mit dem Baujahr 1908, das liebevoll von seinen Besitzern Anna und … van der Rest restauriert wurde und abends auch als Bar dient. Wir buchten einen zweistündigen Segeltripp auf die Ostsee und wurden keine Minute enttäuscht. Schon ab Minute eins mussten alle mitarbeiten: Segel hissen, Bojen einholen etc. Eine ganz schöne Herausforderung bei so vielen Segeln und Seilen. Dann schipperten wir ganz gemütlich auf der Ostsee. Schließlich war Mastklettern angesagt. Unsere Kinder schafften 20 von 30 Metern. Wie die Äffchen kletterten sie die Mastleitern hoch. Danach durften wir im Speedboot ein paar Runden über der Ostsee und um das Schiff drehen. Ein cooles Erlebnis über die Wellen zu springen. Besser als jeder Vergnügungspark.

Schlechtwetterprogramm

Wir sind zwar nie in die Verlegenheit geraten, Schlechtwetterprogramm auf Rügen wahrzunehmen. Hier habt Ihr aber einen kurzen Überblick:

Dinosaurierland, Am Spycker See 2a, 18551 Glowe 

Dünengolf, Nordstrand 4, 18586 Göhren

Erlebniswelt Splash, Quoltitzer Str. 1, 18551 Sagard

Galileo Wissenswelt, Forstverwaltung 1, 18609 Binz

Restaurants

Ostseeperle in Glowe, Hauptstraße 42, 18551 Glowe

Ein schönes Restaurant direkt an den Dünen von Glowe. Das Essen hat uns überzeugt. Für die Kinder gäbe es eine hervorragende Pizza und wir Erwachsenen hatten Ostseeperlen-Bruschetta, Bruschetta mit mariniertem Matjes.

Strandhalle in Binz, Strandpromenade 5, 18609 Binz

Die Strandhalle war vor 100 Jahren ein Tanzlokal. Probiert unbedingt den Matjes!

Zum Anleger in Seedorf, Seedorf 8a, 18586 Sellin

Ein Schicki-Micki-Restaurant mit Stil. Wir waren dort lediglich für einen Sundowner, haben diesen aber sehr genossen und die untergehende Sonne bei einem Pläuschchen mit Heiko, dem Besitzer, verfolgt.

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