Montenegro – ein abwechslungsreicher Familienroadtrip Von einem Naturschauspiel ins Nächste purzeln

Wir sind große Kroatienfans und fragten uns schon lange, wie es eigentlich südlich von Dubrovnik aussieht. Ein wenig Recherche hatte uns ein Land präsentiert, in dem sich über kurze Distanzen ein Naturschauspiel an das andere reiht! Perfekt für unseren Roadtrip „light“, den wir als unser liebstes Urlaubsmodell ausgemacht hatten. Sprich: mehrere Stationen, jede Unterkunft über mehrere Tage, ein Auto und los ging die Besichtigungstour!

Montenegro – ein abwechslungsreicher Familienroadtrip

Allgemeine Informationen

Montenegro hat zwei Flughäfen, in Podgovica und Tivat. Uns erschien es aber am einfachsten und günstigsten, nach Dubrovnik zu fliegen, wo es nur noch wenige Kilometer bis zur montenegrischen Grenze sind. Dass man hier aber mit langen Wartezeiten rechnen muss und die Grenzüberschreitung mit einem Leihwagen ziemliche Extrakosten verursacht, war uns nicht bewusst. Dennoch haben wir es nicht bereut, da es uns einen herrlichen Stopp nahe Dubrovnik beschert hat.

Montenegro ist das Land des Schneckentempos! Es gibt so gut wie keine Straße, auf der man schneller als 80 km/h fahren darf. Das ist auch gut so, da der Verkehr an der Küste wirklich mörderisch ist. Hier fährt jeder so, wie es ihm passt, ohne Rücksicht auf Verluste! Also aufgepasst, wenn Ihr Euch einen Leihwagen nehmen möchtet.

In Montenegro wird mit Euro bezahlt – obwohl das Land gar nicht in der EU ist! Das liegt daran, dass der Staat nach der Zerschlagung Jugoslawiens die Erlaubnis erhielt, die Deutsche Mark und bei deren Abschaffung den Euro einzuführen. Das macht Montenegro nicht gerade zum Schnäppchen! Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch sind verhältnismäßig günstig, alles andere ist ähnlich teuer wie in Kroatien.

Wir haben uns drei Airbnb-Unterkünfte geleistet, die vom Preis-Leistungsverhältnis ok bis günstig waren. Generell solltet Ihr keine allzu hohen Erwartungen an das Niveau der Unterkünfte haben: schicke Designer-Häuser oder zumindest mit IKEA-Möbeln hübsch eingerichtete Ferienwohnungen sind – unserer Erfahrung nach – noch Mangelware.

Kulinarisch erinnert Montenegro an Kroatien, wobei die Auswahl geringer ist. Meistens gibt es eine große Portion gegrillten Fisch oder Fleisch, ein wenig Beilagen und ganz wenig Salat. Für Fleisch- und Fischesser ein Schlaraffenland! Unsere Kinder liebten die leckeren Pfannkuchen, Palatschinken, die es überall gab.

Die Gesundheitsversorgung ist unserer Erfahrung nach wirklich in Ordnung. Wir mussten sogar einmal ins Krankenhaus, da wir ein Medikament in Deutschland vergessen haben. Nach einer halben Stunde Wartezeit hatten wir das Rezept dafür in der Hand – das Medikament war in der gegenüberliegenden Apotheke sofort zu haben.

Das Juwel – die Bucht von Kotor

Die Bucht von Kotor ist ohne Frage das Juwel Montenegros. Einen solchen Fjord gibt es an der ganzen Adriaküste nicht noch einmal. Die Landschaft am Fjord ist unglaublich – extrem hohe, felsige und karge Berge säumen die Bucht, die mit türkisblauen, metertief klarem Wasser aufwartet. Die Rundfahrt um die Bucht lohnt sich – nach jeder Kurve möchte man anhalten, Fotos schießen und ins Wasser springen.

Das Tor zur Bucht von Kotor – Herceg Novi

Herceg Novi ist das Tor zur Bucht. Ein Spaziergang durch die malerische, kleine Altstadt  und der Besuch der Burg lohnen sich. In der Burg wird ein gruseliger Film über dessen Geschichte gezeigt, der die Kinder extrem fasziniert und uns eher amüsiert hat. An der Uferpromenade gibt es zahlreiche tolle Restaurants, in denen man Fisch essen kann. Der Stadtstrand war bei unserem Besuch im Sommer maßlos überfüllt.

Kotor – die Stadt der Katzen und Touristen

Kotor ist im Sommer die Touri-Hölle schlechthin! Als beliebtes Ausflugsziel für Kreuzfahrtschiffe ist die kleine Altstadt maßlos überlaufen. Dennoch lohnt sich ein Spaziergang durch die engen, kühlen Gassen allemal. Beeindruckende orthodoxe Kirchen, kleine Plätze, schöne Konobas (Restaurants) bestimmen das Stadtbild. Und natürlich die Katzen! Denn die Einwohner von Kotor haben sich der Katzenliebe verschrieben – an jeder Ecke sitzen oder balgen sich kleine Katzen, an einigen Stellen sind sogar allgemeine Katzenfressplätze aufgebaut. Und jeder Souvenirshop bietet ein breites Katzensortiment, sei es auf Handtüchern, Aschenbechern, Magneten oder Bildern.

Die Festung oberhalb von Kotor – eine schweißtreibende Wanderung

Die einzige Chance, die Stadt und deren Bucht ein wenig ungestörter – abseits der Massen –  zu genießen: eine schweißtreibende, aber lohnenswerte Wanderung auf die Festung oberhalb der Stadt, die über 1124 Treppenstufen zu erreichen ist. Hier kommt nicht jeder hoch! Der Blick auf die Bucht ist atemberaubend. Nehmt unbedingt etwas zu trinken mit und geht vorher auf die Toilette, auf der gesamten Strecke gibt es keine Toiletten und nur überteuerte Getränkestände.

Das Juwel in der Bucht – Orahovac

Orahovac ist unser Geheimtipp schlechthin – und wir verraten ihn auch nur ungern. Das kleine Fischerörtchen ist lange nicht so touristisch wie seine Nachbarorte und liegt zwischen Risan und Kotor. Man braust eigentlich nur durch, was ein Fehler ist. Wir haben uns dort über Airbnb ein einfaches, aber 30 Meter vom Strand gelegenes Ferienhäuschen gegönnt, tagsüber oft Ausflüge unternommen und nachmittags und abends unserer neuen Lieblingsstrandbar El Cortez einen Besuch abgestattet. Während die Kinder sich am Privatstrand des Cafés ausgetobt haben, haben wir die gechillte Atmosphäre des Cafés genossen, lecker gegessen und uns des Lebens gefreut!

Nationalpark Lovcen – luftige Höhen

Der Nationalpark Lovcen ist über eine enge, serpentinenreiche Straße von Kotor aus zu erreichen. Autofahren muss hier wirklich gelernt sein! Oben am Mausoleum angekommen, hat man sogar einen Blick bis Albanien. Auf dem Weg dorthin gibt es zahlreiche Konobas, die in den Hang gebaut sind und nette Terrassen haben. Wir haben den „Fehler“ gemacht, uns auf einen Wanderrundweg im Internet zu verlassen, der uns am Eingang des Parks durch die Natur führen sollte. Leider existierte dieser Weg nicht mehr, bzw. waren wir vielleicht auch zu doof, ihn zu finden. Macht nichts, wir sind einfach den Berg hochmarschiert, entlang eines verwunschenen Pfades, haben ein urtypisches montenegrinisches Bergdorf gesehen und sind anschließend in der Konoba Nevjesta Jadrana eingekehrt, wo das Essen zwar gut, der Service aber heillos überarbeitet und dementsprechend unfreundlich war.

Kloster Otrog – gruselig und faszinierend zugeich

In allen Reiseführern als das Highlight schlechthin angepriesen ist das Kloster Otrog, das im Landesinneren in einen Berghang geschlagen wurde. Dessen exponierte Lage ist wirklich einmalig. Wer mit Kindern dort ist, ist klar im Vorteil. Denn auch hier treffen sich viele Touristen mit gläubigen Einheimischen, die gemeinsam im Klosterhof anstehen, um die engen kleinen Klosterräume von innen zu besichtigen. Familien mit Kindern dürfen an den Schlangen vorbei und vor – um dann in einem dunklen Raum von einem serbisch-orthodoxen Priester geweiht zu werden und dem Leichnam eines Heiligen, unter einer Decke versteckt, die Aufwartung zu machen. Ziemlich skurril, dieser Besuch! Das Kloster ist übrigens nichts für Kinderwägen – der Parkplatz befindet sich mehrere Meter unterhalb des Klosters und muss über Treppenstufen erklommen werden.

Auf dem Weg zurück sind wir in der Koliba Bogetici eingekehrt. Ein tolles Restaurant mit einem Super-Service und leckeren traditionellen Gerichten. Wir haben uns dazu hinreißen lassen, jeder ein Gericht zu bestellen: ein doofer Fehler! So viel Fleisch, wie hier auf einen Teller passt, ergäbe bei uns zuhause eine ganze Grillplatte! Aber macht nichts, wir haben uns die Reste einpacken lassen und am nächsten Tag genossen.

Budva – der Ballermann Montenegros an der Adria

Das Kapitel über Budva ist schnell erledigt. Budva nennt sich selbst „das Miami der Adriaküste“. In unseren Augen ist es eher der Ballermann der Adriaküste. Eine provisorische Strandbar/-disko reiht sich an die nächste, gesäumt von mehreren Reihen Hotelbunkern, die sich an Scheußlichkeit kaum überbieten lassen können. Wir sind ein Mal durchgerannt, um uns die schnuckelige Altstadt, die von diesem Wahnsinn umzingelt wird, anzusehen. Auch hier warten wieder enge Gassen und süße kleine Läden und Restaurants auf Euch. Wir waren in der Konoba Portun, in dem wir vorzüglich gegessen und superlieb bedient worden sind.

Der Skadar See – Naturschauspiel schlechthin

Wusstet Ihr, dass in Montenegro (neben dem Gardasee) der größte See Südeuropas liegt? Nur wenige Kilometer von Budva entfernt liegt ein echtes Naturwunder. Wir haben uns in Vepazar, dem Hauptort am See, eine einstündige Bootstour gebucht, die wir dann auf See verlängert haben, weil es uns so gut gefallen hat. Achtung: In Vepazar herrscht ein heilloser Konkurrenzkampf zwischen den Bootstour-Anbietern, so dass man sich ein wenig wie auf einem Bazar fühlt. Jeder quatscht einen an. Besonders aufdringlich: Die Bootstour-Organisatoren des Pelikan Hotels, die uns am Ortseingang abpassten, unverbindlich, aus reiner Nächstenliebe einen kostenlosen Parkplatz versprachen und uns dann ihre Tour verkaufen wollten. Als wir uns einen anderen Anbieter gesucht haben, wurden wir anschließend beschimpft. Unschön!

Auf dem See werdet Ihr aber mit einer herrlichen Ruhe, einem kilometerlangen Bett aus Seerosen auf der Wasseroberfläche und seltenen Vögelarten belohnt. Wir sind vom Boot in das warme Wasser gesprungen und haben die Abkühlung genossen. Bucht auf jeden Fall zwei Stunden auf dem See – eine ist viel zu kurz, um den See wirklich zu genießen.

Im Ort haben wir in der Konoba Basta gespeist – solide, aber nichts Besonderes.

Besonderer Tipp: Auf Eurem Weg zurück zur Küste empfehlen wir Euch die landschaftlich reizvolle Fahrt über die kleine Pass-Straße, die Euch zurück an die Bucht von Kotor führt! Nicht nur die Aussicht auf die Flussschleife, sondern auf den See machen die Fahrt zum Highlight!

Der schwarze Strand bei Ulciji – Erholung pur

Wusstet Ihr, dass Montenegro mit einem dreizehn Kilometer langen, quasi unverbauten Sandstrand aufwarten kann? Er liegt im Süden des Landes, von Budva aus ca. eineinhalb Autostunden entfernt. Wir haben die Fahrt auf uns genommen und es überhaupt nicht bereut. In der Strandbar Cabo Beach haben wir für einen Spottpreis von 12 Euro ein riesiges Strand-Doppelbett sowie eine Strandliege bekommen. Wir haben den ganzen Tag mit chilliger Musik darauf verbracht, waren unglaublich lecker Pizza und Muscheln in der Strandbar essen und haben unseren Kids beim Sandburgen bauen zugesehen! Absolut empfehlenswert!

Euch einen tollen Urlaub!

 

 

 

 

 

 

 

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