Mostar stand auf unserer Reise durch Bosnien und Herzegowina natürlich ganz oben auf der Liste. Vor allem die berühmte Alte Brücke, die Stari Most, kannten wir schon von unzähligen Bildern. Tatsächlich hat uns aber nicht nur die Brücke begeistert, sondern die gesamte kleine Altstadt mit ihren gepflasterten Gassen, den vielen Läden und Restaurants und der überraschend entspannten Atmosphäre.
Wir waren im August in Mostar unterwegs – und eines können wir vorwegnehmen: Es war sehr heiß. Umso besser, dass mitten durch die Stadt die eiskalte Neretva fließt und man einen Besuch in Mostar sogar mit einer kleinen Abkühlung verbinden kann.
Mostar mit Kindern: Sehenswürdigkeiten und unsere Tipps
Mostar und die berühmte Stari Most
Mostar liegt im Süden von Bosnien und Herzegowina in der Region Herzegowina. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Stari Most, die Alte Brücke über die Neretva. Die ursprünglich im 16. Jahrhundert errichtete osmanische Steinbrücke wurde 1993 während des Bosnienkriegs zerstört und anschließend originalgetreu wiederaufgebaut. Seit 2005 gehören die Brücke und Teile der Altstadt zum UNESCO-Welterbe.
Die Brücke verbindet die beiden Seiten der Altstadt und ist bis heute ein wichtiges Symbol der Stadt. Mostar ist historisch und kulturell stark von unterschiedlichen Religionen und Bevölkerungsgruppen geprägt. Vereinfacht gesagt ist der Osten der Stadt stärker muslimisch beziehungsweise bosniakisch geprägt, der Westen stärker katholisch beziehungsweise kroatisch. Auch als Besucher bekommt man diese Unterschiede durchaus mit – beispielsweise an Kirchen und Moscheen, aber teilweise auch an den Ladenöffnungszeiten.
Die Altstadt von Mostar
Uns haben vor allem die wunderschönen Gassen rund um die Steinbrücke gefallen. Kopfsteinpflaster, alte Steinhäuser und unzählige kleine Geschäfte prägen das Bild. Die historische Einkaufsstraße Kujundžiluk war bereits zu osmanischer Zeit ein Handelszentrum und ist traditionell mit dem Handwerk der Gold- und Kupferschmiede verbunden.
Heute reihen sich hier vor allem Souvenirläden aneinander. Das Angebot ist häufig recht ähnlich und Schmuck findet Ihr wirklich überall. Die Verkäufer haben wir als ausgesprochen nett und angenehm erlebt.
Überhaupt hat Mostar trotz der vielen Besucher auf uns erstaunlich kleinstädtisch und entspannt gewirkt. Dazu kommen jede Menge Katzen, die in den Gassen herumstreunen – bei unseren Kindern natürlich immer ein Pluspunkt.
Und ebenfalls wichtig, wenn Ihr Mostar mit Kindern besucht: Eisläden gibt es gefühlt an jeder Ecke.
Die Brückenspringer von Mostar
Berühmt ist die Stari Most auch für ihre Brückenspringer. Die Tradition, von der mehr als 20 Meter hohen Brücke in die Neretva zu springen, gehört seit Langem zu Mostar.
Bei unserem Besuch hatten wir allerdings Pech und haben keinen einzigen Springer gesehen. Dafür waren auf dem Fluss kleine Motorboote unterwegs. Für 10 Euro pro Person konnte man einsteigen und ein Stück die Neretva rauf und runter flitzen – gerade mit etwas größeren Kindern eine nette Abwechslung zum Sightseeing. Außerdem befindet sich neben der Brücke ein mindestens 15 Meter (geschätzt) hoher Sprungturm, auf den jeder klettern kann: Hier sind einige runtergesprungen!
Baden in der Neretva
Unterhalb der Alten Brücke gibt es eine Stelle am Fluss, an der man direkt ans Wasser kommt. Im Hochsommer ist das bei den Temperaturen in Mostar ausgesprochen verlockend.
Allerdings ist die Neretva wirklich eiskalt. Schon die Füße ins Wasser zu halten, sorgt für eine ordentliche Abkühlung und tut fast weh. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte zudem bedenken, dass die Neretva ein Fluss mit Strömung ist. Zum ausgiebigen Planschen mit kleinen Kindern würden wir sie deshalb nicht unbedingt wählen.
Essen in Mostar mit Kindern
Essen gehen könnt Ihr in Mostar vergleichsweise günstig. Rund um die Altstadt gibt es zahlreiche Restaurants und Cafés und auch mit Kindern findet sich problemlos etwas.
Typisch für Bosnien und Herzegowina sind natürlich Ćevapi, gegrilltes Fleisch und andere deftige Gerichte. Wer zwischendurch nur eine kleine Pause braucht, findet außerdem überall Cafés und die bereits erwähnten Eisdielen.
Mostar und der Bosnienkrieg
Wer durch die hübsche Altstadt schlendert, vergisst schnell, wie stark Mostar vom Bosnienkrieg in den 1990er-Jahren betroffen war. Auch die Stari Most wurde 1993 zerstört und erst 2004 wieder eröffnet. Ihr Wiederaufbau sollte dabei nicht nur ein bedeutendes Bauwerk zurückbringen, sondern wurde auch zu einem Symbol für Versöhnung und das Zusammenleben unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.
Wir haben in Mostar ein Museum über den Krieg besucht. Die Ausstellung war sehr umfangreich, mit zahlreichen Artefakten, Fotos, Texten und Videos. Einige der gezeigten Aufnahmen sind ziemlich erschreckend und aus unserer Sicht definitiv nichts für kleine Kinder.
Auch mit größeren Kindern solltet Ihr Euch überlegen, ob Ihr das Museum besuchen möchtet. Vieles muss gelesen werden und gute Englischkenntnisse sind hilfreich. Gleichzeitig fanden wir die Ausstellung interessant, würden die Darstellung aber als deutlich aus bosniakischer Perspektive geprägt einordnen. Gerade bei einem so komplexen Konflikt sollte man das im Hinterkopf behalten.
Ausflug von Mostar zum Derwischkloster in Blagaj
Wenn Ihr Mostar besucht, solltet Ihr unbedingt auch einen Abstecher nach Blagaj einplanen. Der kleine Ort liegt außerhalb von Mostar und lässt sich wunderbar mit dem Stadtbesuch kombinieren.
Die bekannteste Sehenswürdigkeit ist die Tekija am Ursprung der Buna, häufig auch als Derwischkloster von Blagaj bezeichnet. Blagaj zählt auch laut Tourismusstrategie der Stadt Mostar zu den wichtigsten Ausflugszielen außerhalb des Stadtzentrums.
Das Kloster liegt spektakulär direkt an einer hohen Felswand neben der Quelle der Buna. Allein die Lage macht den Ort sehenswert.
Unser Tipp für Blagaj: Früh kommen
Wir würden Euch empfehlen, möglichst früh nach Blagaj zu fahren. Später wird es voll und je nachdem, wo Ihr einen Parkplatz findet, kann der Fußweg zum Kloster deutlich länger werden. Gerade im Hochsommer und mit Kindern macht das bei den hohen Temperaturen einen großen Unterschied.
Rund um das Kloster und entlang des Flusses liegen zahlreiche schöne Restaurants. Hier kann man wunderbar am Wasser sitzen, etwas essen und die besondere Kulisse genießen.
Baden in der Buna
Etwas unterhalb des Klosters gibt es Möglichkeiten, ans Wasser zu kommen und zu baden. Allerdings gilt hier das Gleiche wie für die Neretva in Mostar: Das Wasser ist unglaublich kalt.
Für unsere Kinder wurde das Baden deshalb eher zur Mutprobe. Gerade an einem heißen Sommertag ist die Abkühlung aber herrlich – zumindest, wenn man sich hineintraut.
Lohnt sich Mostar mit Kindern?
Für uns definitiv. Mostar lässt sich auch mit Kindern wunderbar entdecken, weil die Altstadt überschaubar ist und es unterwegs immer wieder etwas zu sehen gibt. Die Stari Most, die kleinen Gassen, Katzen, Eis und eine Abkühlung am Fluss sorgen dafür, dass es nicht nur klassisches Sightseeing ist.
Im August würden wir den Besuch aufgrund der Hitze möglichst auf den Vormittag oder späteren Nachmittag legen. Für die heißesten Stunden bietet sich eine längere Mittagspause an.
Besonders schön fanden wir die Kombination aus Mostar und Blagaj. So bekommt Ihr an einem Tag nicht nur die berühmte Altstadt und die Stari Most zu sehen, sondern mit der Buna und dem Derwischkloster noch einmal eine ganz andere Seite der Region.


