Lappland – die letzte Wildnis Europas im Winter Polarlichter, Husky- und Motorschlittenfahrt & Saami-Kultur am Inarisee

Ein lang ersehnter Traum wurde wahr, als der Termin für unsere Reise in das finnische Lappland an den Inarisee bevor stand. Unsere Vorfreude auf Polarlichter, Husky- und Motorschlitten fahren, Eisangeln und die Saamikultur kennen lernen in der letzen Wildnis Europas, die in einen Schneemantel gehüllt ist, war riesig.

Lappland – die letzte Wildnis Europas im Winter

Bevor wir die Lapplandreise buchten, hatten wir uns sehr intensiv über Lappland informiert. Wir wollten keinen Skirummel, keinen Massentourismus und auf jeden Fall, eine hohe Wahrscheinlichkeit die Polarlichter zu sehen. Wir entschieden uns für den Inarisee, der sich rund 100 km entfernt vom Nordkap und nah an der russischen Grenze befindet. Der Inarisee ist auch bekannt für seine ausgeprägte Saamikultur. Die Saami sind ein indigenes Volk im Norden Skandinaviens. Gebucht hatten wir Hotel und Ausflüge über nordic holidays, die ich an dieser Stelle für die hervorragende Organisation nochmal loben möchte.

Unsere kurze Lapplandreise sollte rund vier Tage dauern. Wir flogen zum Zielflughafen nach Ivalo und wurden mit einem Transferbus direkt zu unserem Hotel gefahren.

In unserem Hotel angekommen, machten wir es uns erstmal vor dem Kaminfeuer in der Bar-Lounge gemütlich. Wir waren zwar froh, dass uns die Vorhersage relativ milde Temperaturen zwischen minus 6 bis null Grad voraussagte, mussten uns aber erstmal wärmen und ein erstes Willkommensgetränk zu uns nehmen.

Vorabinformationen

Kleidung bei Minustemperaturen

Im Winter kann es bis zu minus 30-40 Grad werden. Das ist unvorstellbar kalt. Gerade wenn man Ausflüge wie die Husky- oder Motorschlittenfahrt gebucht hat, kommen dann noch minus 10 Grad mit dem Fahrtwind hinzu. Als Grundausstattung solltet Ihr Skiunterwäsche, eine Thermo-Leggins, mehrere Fleecepullis, eine Skihose und -jacke einpacken. Zusätzlich werdet Ihr dann auf den Ausflügen von den Veranstaltern in weitere Overalls gepackt. Man kann auch Hand- und Zehenwärmer kaufen. Das Einzige, was Ihr nicht so gut schützen könnt, ist das Gesicht. Hier empfehlen wir Vaseline, da sie nur aus Fett besteht und bei den Temperaturen nicht gefriert wie z.B. Cremes auf Wasserbasis.

Was Ihr auch wissen solltet: In jedem Finnischen Bad (Hotel oder Ferienwohnung) gibt es eine Sauna zum Aufwärmen!

Reisedokumente

Für die Einreise nach Finnland benötigt Ihr als EU-Bürger nur einen Personalausweis.

Polarlichter

Wir hatten uns vorab schon eingelesen, wie wir am besten die Polarlichter fotografieren sollten. Auf vielen Blogs wurde mir eine Spiegelreflexkamera, Stativ, Fernauslöser und Ersatzakkus empfohlen. Brav packten wir alles in unser Handgepäck, um es letztendlich nicht ein einziges Mal zu nutzen. Stattdessen machten wir mit der Samsung-Handykamera sehr gute Polarlichterfotos und auch ein Mitreisender zeigte uns seine Handyfotos der Polarlichter, die sehr gut waren. Wenn Ihr keinen allzu hohen Anspruch an Eure Polarlichterfotos habt, spart Euch das Zusatzgepäck mit Spiegelreflexkamera & Co.

Saamikultur

Inari ist das Zentrum der Saamikultur, der einheimischen indigenen Bevölkerung. Neben dem Siida-Museum gibt es noch die Saami-Wildnis-Kirche und die Heiligen Saamischen Inseln im Inarisee zu sehen.

Souvenirs

Klassische Souvenirs sind Rentierfelle, Rentiergeweihe und geschnitzte Holzbecher.

Ab in die Wildnis – unsere Ausflüge

Huskyschlittenfahrt durch Birkenwälder

Unser erster Ausflug sollte eine Huskyschlittenfahrt sein. Wir wurden vom Hotel abgeholt und gelangten zur Huskyfarm mit über 200 Hunden. Ein freudiges Riesen-Gebell erwartete uns. Nachdem für unsere Gruppe acht Schlitten bereit standen, mussten wir die Hunde einfangen und nun den Hunden ihr Schlittengeschirr anziehen. Die Huskys waren unglaublich aufgeregt und energiegeladen. Als es dann losging, flogen wir förmlich aus der Farm und die Hunde waren auf einmal mucksmäuschenstill. Vorher hatten wir natürlich eine Einweisung bekommen, wir wir den Schlitten zu steuern haben. Die Hunde trugen uns durch die Prärie: vorbei an Seen und durch Birkenwälder. Es war wunderschön!

Eisangeln auf dem Inarisee

Für den Nachmittag hatte uns Jarmo, der in Inari Fischer ist, mit auf seinen Motorschlitten zum Eisangeln genommen. Zunächst kontrollierten wir seine Netze im  Wasser, die über ein großes Eisloch zugänglich waren. Leider hatten wir kein Glück und keine Ausbeute. Dann fuhren wir weiter auf dem Inarisee zu einer kleinen Bucht, wo Jarmo uns viele Fische versprach. Zuerst mussten wir ein Loch in das ca. 30 cm dicke Eis bohren. Um dann unsere Angel mit dem Köder in das Loch zu halten – und schwupps hatten wir Glück und innerhalb von ein paar Minuten hatten wir fünf Fische gefangen. Zum Ende des Nachmittages machte uns Jarmo auf dem See ein schönes Feuer und wir grillten die gefangenen Fische. Dazu gab es, wie in Finnland üblich, Butterbrot und heißen Blaubeersaft sowie Tee. Der war auch dringend notwendig, denn je später der Nachmittag desto kälter wurde es wieder! Es war eine wunderschöne und meditative Erfahrung in der Stille des zugefrorenen Sees zu angeln. In den folgenden Tagen sahen wir immer wieder Einheimische beim Eisangeln. Eisangeln ist also kein Touristen-Nap, sondern wird wirklich praktiziert! Wenn Ihr auch Lust habt, mit Jarmo Eisangeln zu gehen, dann ruft ihn unter: +358442949521 an.

Im Hotel angekommen, gönnten wir uns einen langen Saunagang in der Flusssauna.

Saamikultur – mit dem Motorschlitten zur Wildnis-Kirche Pielpajarvi und zur Heiligen Insel „Ukonsaari“

Am nächsten Morgen ging es mit dicker Winterkleidung ausgerüstet auf den Motorschlitten. Auch hier bekamen wir eine kurze Unterweisung. Und dann ging es los! Zum Einfahren sausten wir über den zugefrorenen See, dann durch den Wald zur Saami-Wildnis-Kirche, Pjielpajarvi. Dieser Ort hatte etwas Magisches. Nachdem unser Reiseleiter die Fensterläden der Kirche geöffnet hatte, traten wir ein und bewunderten diese so schöne hellblau-weiß gehaltene Holzkirche, in der heutzutage noch Mittsommer und Ostern gefeiert wird. Wir waren ganz alleine dort und bestiegen sogar den Glockenturm. Was hat es mit der Wildnis-Kirche auf sich? Die Kirche entstand im 16. Jahrhundert im Winterdorf der Saami. Dort besuchte sie der Pfarrer ein bis zweimal im Winter, um sie zu einem christlichen Glauben zu bekehren, Gottesdienste und Religionsunterricht abzuhalten. Die Kirche war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Nachdem eine andere Kirche 1940 zerstört wurde, wurde die Pielpajarvi-Kirche wieder genutzt – und das bis zum heutigen Tag. Interessanterweise gibt es keinen Friedhof bei der Kirche, denn die Saami beerdigten ihre Toten auf den Inseln im Inarisee.

Nach der Kirche fuhren wir weiter zur Heiligen Insel „Ukonsaari“, ein kulturell und spirituell wichtiger Ort für die Saami. Die Insel war eine Opferstätte und ein Ort, um mit den Göttern in Kontakt zu treten. Eine Treppe führte auf den Berg der Insel, der die Form eines Wales hat. Von dort oben hatten wir einen wunderschönen Ausblick auf die verschneite Inselwelt des Inarisees.

Danach machte Jarmo, unser Reiseleiter (nicht der Fischer) ein Feuer und es gab Rentiersuppe und auf dem Feuer frisch gekochten Kaffee. All das bei schönstem Sonnenschein!

Siida-Museum – Saamikultur und Naturzentrum

Wir besuchten das Siida-Museum, das von der Saamikultur erzählt und gleichzeitig ein Naturzentrum ist. Auf großen LED-Leinwänden erfuhren wir mehr über die Vegetation, Pflanzen und Tiere der Umgebung. Im Hauptsaal des Museums gab es eine Ausstellung über das Kulturgut der Saami der jüngeren Vergangenheit bis heute. Draußen gab es ein Freilichtmuseum zu besichtigen, das ein typisches Winterdorf mit Wohnhäusern, Zelten und Speichern zeigte. Sehr gut war übrigens das Mittagessen im Café. Es gab natürlich Rentiergulasch!

Rentierfarm Angeli

Am späten Nachmittag fuhren wir zur Angeli Rentierfarm. Rentierfarmen werden traditionellerweise von Saami bewirtschaftet. Anne von der Angeli Rentierfarm hat in eine Saami-Familie eingeheiratet und betreibt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern die Farm. Als wir ankamen, durften wir bei der Fütterung der Rentiere helfen. Wir versuchten auch ein Rentier einzufangen, was gar nicht so einfach war. Zum Abschluss zeigte uns Anne noch ihr wunderschönes Haus und Bilder der Familie mit traditioneller Saami-Kleidung. Wir waren sehr beeindruckt von diesem Besuch. Man kann bei Anne übrigens auch hier eine Rentierschlittenfahrt buchen, die zu den Rentierherden führt.

Inari – das Örtchen am Inarisee

Das Örtchen Inari ist leider nicht so spektakulär und außer dem Siida-Museum, einem riesigen Souvenirshop, der übrigens sehr gut ist, sowie einem Supermarkt, gibt es eigentlich nichts zu sehen. Wir hatten uns längere Zeit im Supermarkt aufgehalten, weil wir es immer so interessant finden, welche Lebensmittel es in anderen Ländern gibt. So gab es recht günstig Lachs und Rentierwurst zu kaufen. Aber auch eine Vielzahl von Marmeladen von unterschiedlichen Beeren, wie Lakka Multebeeren oder Sanddorn.

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